Zwei mutige Frauen verhindern schweres Verbrechen

Courage: Karolina Smaga und Linda Cariglia vereiteln eine Vergewaltigung und verfolgen den Täter

Linda Cariglia (links) und Karolina Smaga zeigten Zivilcourage und verhinderten eine Vergwaltigung. Foto: RSA/Addicks

Rietberg/Bielefeld (mad). Eigentlich können die beiden jungen Frauen immer noch nicht fassen, in welche Situation sie da geraten sind: Nach einer Partynacht in Bielefeld waren die Rietbergerin Karolina Smaga und ihre Freundin Linda Cariglia auf dem Weg zum Bahnhof, als sie Zeugen einer sich anbahnenden Vergewaltigung wurden. Mutig schritten die beiden Frauen ein und konnten das Schlimmste verhindern. Doch das reichte Karolina Smaga nicht. Sie wollte den Täter auf keinen Fall entkommen lassen und verfolgte ihn, bis er sich mit einem Klappmesser zur Wehr setzte.
Der Vorfall ist bereits fast drei Wochen her, aber Karolina Smaga aus Neuenkirchen und Linda Cariglia aus Gütersloh erinnern sich an jedes Detail. Sie sind sich sicher: Wären die beiden nicht dazwischen gegangen, wäre die junge Frau zum Opfer einer Vergewaltigung geworden. „Es war gegen 6.15 Uhr morgens, wir kamen vom Feiern aus der Bielefelder Innenstadt und liefen unter dem Ostwestfalen-Damm in Richtung Bahnhof, um nach Hause zu fahren“, erzählt Linda Cariglia. „Wir haben uns unterhalten, bis wir irgendwann von der Seite aus dem Gebüsch kurz hinter der Eisenbahnbrücke komische Geräusche gehört haben“, erinnert sich ihre Freundin Karolina Smaga. Da wurde ihnen klar: Da stimmt etwas nicht. Näher am Geschehen fragten sie an die Frau gerichtet: „Willst du das?“ und bemerkten schnell die Panik der 20-jährigen Herforderin, deren Peiniger auf ihr liegend versuchte, ihr den Mund zuzuhalten. „Ich habe den Mann angeschrien, er soll von ihr runtergehen. Als er nicht reagierte, habe ich ihn einfach mit voller Wucht von ihr heruntergeschubst“, berichtet Karolina Smaga. Mit einem Griff half die Neuenkirchenerin der Frau auf die Füße und stieß sie in Richtung ihrer Freundin. „Dann wollte ich die Polizei anrufen, aber der Mann schlug mit das Handy aus der Hand“, erinnert sie sich an die nächsten Sekunden. Die 110 war schon gewählt, also riefen die jungen Frauen laut um Hilfe. Der Täter, den die beiden als etwa 1,75 bis 1,80 Meter groß beschrieben, ergriff die Flucht. Während sich Linda Cariglia das Handy schnappte und die Polizei zum Ort des Geschehens lotste. Karolina Smaga heftete sich dem Täter an die Fersen, der stadteinwärts in Richtung Elsa-Brandström-Straße flüchtete. An einem Parkplatz schanppte er sich sein dort deponiertes Fahrrad. Da griff Karolina Smaga nach dem Gepäckträger und schrie den Mann an, er solle stehen bleiben. Erst als der Mann, derart in die Enge getrieben nach einem Klappmesser griff und sie damit bedrohte, ließ sie von ihm ab. „Ich war einfach voller Adrenalin“, sagt Karolina Smaga. „Erst im Nachhinein habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was alles hätte passieren können.“ Schockiert sind die beiden vom Verhalten einiger Menschen, die in der Nähe standen. „Ein paar junge Männer standen in der Nähe. Sie haben die Situation bemerkt, wir haben um Hilfe gerufen, aber keiner hat reagiert“, sagt Linda Cariglia.
Dank der guten Täterbeschreibung der drei Frauen konnte die Polizei den Mann, einen 25-jährigen Marokkaner, kurz darauf schnappen. “, sagt Linda Cariglia. Darüber, dass sie die junge Frau vor dem Verbrechen retten konnten, freuen sich die beiden. Auch darüber, dass sie für ihr mutiges Einschreiten sogar für den XY-Preis vorgeschlagen wurden. Aber es gibt auch Beifall von der falschen Seite: Denn es tauchen immer wieder Posts im Internet auf, in denen einige Gruppen den Vorfall für ihre rechte Hetze nutzen. „Dafür lassen wir uns aber nicht benutzen und das ist auch die komplett falsche Botschaft“, sagen die beiden Frauen, die selbst italienische und polnische Wurzeln haben. „Es hat einen wichtigen Grund, dass wir mit dieser Sache an die Öffentlichkeit gehen, denn unser Aufruf lautet: Seht hin und helft!“

Was mache ich, im Fall der Fälle?
Gütersloh (mad). Jeder kann auf einmal in eine Situation geraten, in der er handeln muss. Sei es, um einem verletzten Opfer zu helfen oder um eine Straftat zu verhindern. „In diesem Fall sind die beiden jungen Frauen sehr couragiert eingeschritten“, sagt Polizeipressesprecherin Corinna Koptik. „Grundsätzlich gilt: Man sollte all das unternehmen, was man tun kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen“, sagt sie. Wer Zeuge einer Straftat wird, sollte schnell die Polizei verständigen. „Wenn weitere Zeugen in der Nähe stehen, sollte man diese um Hilfe bitten. Das funktioniert am besten mit der Zuweisung von Aufgaben, denn das holt die Leute aus der Anonymität heraus“, weiß Koptik. Wer selbst Opfer einer Straftat – in diesem Fall sexueller Gewalt – geworden ist, kann sich an spezielle Opferschutzbeauftragte der Polizei wenden. „Dort stehen Mitarbeiterinnen bereit, die weiterführende Hilfe vermitteln“, sagt Corinna Koptik und weist darauf hin: „Es gibt auch Ansprechpartner für Männer, denn nicht nur Frauen werden Opfer sexueller Gewalt.“