Wird das Bokeler Pfarrheim verkauft?

Erste Gespräche hinter den Kulissen dokumentieren ernsthafte Absichten

Bokel (robui). Die Tage traditioneller Kirchengemeinden in ihrer jahrhundertealten Form sind gezählt. Wie an anderer Stelle in dieser RSA-Ausgabe zu lesen ist, sinken die Zahlen der Gläubigen. Es haben sich katholische Verbände aufgelöst. Was aber wird mit Liegenschaften wie dem Bokeler Pfarrheim: Werden sie noch gebraucht?
Bokeler wissen: Das großrahmige Gebäude muss dringend saniert werden. Nicht nur unter energetischen Aspekten. Im ehemaligen Volksschulgebäude ist mittlerweile so ziemlich alles marode, was nur marode sein kann. Von den Sanitäranlagen bis hin zu ungezieferbefallenen Zwischendecken in einem Teilbereich.
Pastoralverbundsleiter Pfarrer Andreas Zander hat bereits vor einigen Tagen beim sogenannten Dankeschönfest für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer das Thema angesprochen: Nach der nicht gerade preiswerten Sanierung des Innern der St.-Anna-Kirche kommt in ganz nächster Zukunft der Sanierungsbearf für das Pfarrheim hinzu.
Doch: Lohnt es, sechsstellige Summen in ein Gemäuer unter Trägerschaft der Kirche und damit aus Kirchensteuermitteln zu stecken, das derzeit schon nur noch zu höchstens 20 Prozent von ebensolchen Organisationen und Verbänden genutzt wird? Zudem ist dauerhaft absehbar, dass der Nutzeranteil der katholischen Zusammenschlüsse wie etwa der Messdiener weiter sinken wird. Wenn 2020 der Pastorale Raum formiert ist, dann werden Gruppierungen wie etwa die Messdiener zentral an einem Ort ihre Treffen haben, nicht mehr dezentral, wie bisher.

Städtebaulich ist die Lage richtig reizvoll

Ein erstes Beispiel schon jetzt ist der Kinderchor, der künftig gemeinsam mit den Altersgenossen aus anderen Gemeinden zentral in Rietberg geschult wird. Wie Zander auf Anfrage des RSA in dieser Woche erklärte, gebe es tatsächlich Überlegungen, sich von der Liegenschaft zu trennen. Eine erste interne Unterredung mit Bürgermeister Andreas Sunder und Politikern habe stattgefunden, bestätigte er die Informationen des RSA: Noch befinde man sich in einem sehr frühen Stadium, doch die Überlegungen tendierten schon dazu, einen Verkauf statt einer eigenfinanzierten, aufwendigen Restaurierung anzugehen.
Erste Nachfragen bei heimischen Kommunalpolitikern seitens des RSA ergaben, dass kein sofortiges „Nein“ auf ein solches Angebot ausgesprochen würde. Ein Ankauf der zentralen Fläche böte reizvolle Chancen für die städtebauliche Entwicklung des Dorfes. Ob die Kommune letztlich das vom Zahn der Zeit arg beeinträchtigte Gemäuer erwirbt, saniert und darin dann ein Dorfgemeinschaftshaus für Vereine installieren würde oder abreißt, das steht noch lange nicht fest.