Wie steht es denn um die Wasserqualität?

Greenpeace untersucht Proben auf Rückstände aus der Massentierhaltung

Christian Burkert (v.l.), Markus Wichmann, Mark Lindert, Beate Nieke und Holger Krohn nehmen Proben aus der Gunne und messen

Boke (mad). Wieviel Nitrat und Phosphat sind im Wasser? Wie hoch sind die Stickstoffwerte? Das will Greenpeace herausfinden. Auf einer Tour durch ganz Deutschland wurde dafür auch Halt in Boke gemacht. Proben aus der Gunne sollen Aufschluss über die Qualität des Fließgewässers geben mit Blick auf Rückstände aus der Landwirtschaft.
Insgesamt 22 Standorte haben sich die Umweltaktivisten in der Bundesrepublik herausgesucht, um aus Seen, Bächen und Flüssen Proben zu entnehmen. „Diese werden dann auf Rückstände aus der Massentierhaltung untersucht“, sagt Christian Burkert von Greenpeace aus Paderborn. Dabei geht es insbesondere um Nitrat und Phosphat, die durch das

Güllemengen werden vom Feld in die Bäche gespült

Aufbringen von Gülle auf die Felder auch in die Gewässer gelangen. Außerdem sind die Umweltschützer noch anderen Spuren der Tierhaltung auf der Spur. „Es werden immer mehr Antibiotika in der Tierhaltung eingesetzt. Durch die Überdüngung der Felder mit Gülle gefährden auch multiresistente Keime die Wasserqualität“, so Burkert. „Viele Proben liegen weit über dem Grenzwert“, ergänzt sein Hamburger Kollege Markus Wichmann. „Der Richtwert für Nitrat Stickstoff beträgt 2,8 mg pro Liter Wasser“, erklärt Beate Nieke, Pressesprecherin von Greenpeace. Die Entnahme der Proben aus der Gunne, direkt neben einem Maisfeld, brachte hat folgendes Ergebnis: 10,69 mg pro Liter. Das Wasser an der Emsquelle hatte einen Wert von 1,95 mg pro Liter, an der Paderquelle sind es 5,94 mg. „Das zeigt, dass Gewässer, die durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet fließen, eine hohe bis sehr hohe Belastung an Nitrat aufweisen“, so Beate Nieke.
Oft würden die Felder überdüngt. Regen spüle dann die überschüssige Gülle, die nicht im Boden versickert ist, in die Bäche. Problematisch sei außerdem der große Anteil der Massentierhaltung in der Landwirtschaft, sagt Holger Krohn. „Früher genügten die Ackerflächen für die Gülle, die aufgebracht wurde. Heute weiß man gar nicht mehr, wohin damit“, so der Greenpeace-Mitarbeiter. Die Schuld gibt er jedoch nicht den Landwirten – zumindest nicht allein. „Die Verbraucher tragen

Auch die Verbraucher sind in der Pflicht, umzudenken

ihren Beitrag zu dieser Entwicklung bei“, sagt er. Wer Billigfleisch nachfragt, muss sich auch darüber im Klaren sein, was damit einhergehe – nämlich Massentierhaltung, die Vergabe von Antibiotika und eben eine riesige Menge an Gülle, die entsorgt werden muss. Nach Ansicht der Natur- und Umweltschützer ist es allerhöchste Zeit, dass auch die Verbraucher umdenken und einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.