Warum Kinder in Hamburg den Umzug beobachteten…

Großes Prinzentreffen beim RSA wird Tradition – Tollitäten sind überglücklich mit dem Sessionverlauf

Rietberg (robui). Man kennt sich – man schätzt sich – und man teilt Erfahrungen, die pro Jahr im Rietberger Land nicht mehr als sechs Menschen zuteil werden. Die Prinzenpaare aus Mastholte, Rietberg und Neuenkirchen trafen sich auf Einladung des Rietberger Stadtanzeigers zum Erfahrungsaustausch am Veilchendienstag im Rehling-Betriebsgebäude.
Zum zweiten Mal nach 2017 kamen auf diese Weise die Tollitäten in entspannter und gemütlicher Runde zusammen. Im Fokus stand bei allen natürlich das, was besonders beeindruckte, aber auch noch ganz frisch in den Gedächtnissen war: Der Rosenmontagsumzug durch die volle Altstadt.
„Das war phänomenal. Ich wollte am Schluss gar nicht mehr von meinem Wagen heruntergehen“, berichtete GKGR-Prinzessin Melanie Breimann mit leuchtenden Augen. „Und es ging so schnell rum, gefühlt war das nicht mehr wie eine halbe Stunde.“ Es sei wunderschön, wenn man an der Wegstrecke auf Bekannte träfe, die einem zujubeln“, ergänzt AKC-Prinz Winfried Sandmeyer und seine Prinzessin Susanne Merker kann von etwas Außergewöhnlichem berichten. Ihre älteste Tochter arbeitet als Lehrerin an einer Grundschule in Hamburg. „Und da gibt es Rosenmontag kein karnevalsfrei, sie konnte also nicht hier vor Ort sein. Aber dafür wurde kurzerhand via städtischer Webcam der Umzug live von ihrer ganzen Klasse mitverfolgt.“
Die Ruhe weg hatte einmal mehr GKGR-Prinz Siggi Laukötter-Bartscher. Der nämlich, sonst auch anderweitig im Verein engagiert, unter anderem beim Wagenbau und in der Karnevalsscheune, stieg direkt vor dem Umzug auf eine Leiter und kümmerte sich im vollen Ornat auf einer Schrifttafel noch um die korrekte Schreibweise.
Während die Grafschaftler-Tollitäten jeweils eigene Wagen für die Fahrt durch die Stadt haben, einen sich Mastholter vom AKC mit dem Prinzenpaar auf einem Hänger, auch die Neuenkirchener KKGN hat einen kompletten Wagen.
„Ich hätte es mir auch nie anders vorstellen können, als dieses Amt und auch die Fahrt durch die Straßen am Rosenmontag gemeinsam mit meiner Dagmar zu machen“, blickt Thomas Freitäger zurück auf die Tage seit Amtsantritt kurz vor dem Ende der Session 2017/2018.
Auch für „Winnie“ Sandmeyer und seine Susanne war es das Optimum, gemeinsam die Tour zu genießen.
Melanie Breimann und Siggi Laukötter-Bartscher dagegen, alte Freunde aber kein Paar, hatten kein Problem damit, jeweils allein auf ihren Wagen den Massen zuzujubeln. Die Ehepartner der Beiden gingen zwischen den Aufbauten in einer Fußgruppe (als „Pagen die keiner wollte“) mit, und waren so zumindest in der Nähe. Melanie Breimann war es sogar lieb, die vielen Eindrücke „erst einmal ganz für mich allein aufzunehmen.“ es war tatsächlich „ihr Tag“, denn sie hatte sich schon als kleines Kind nichts sehnlicher gewünscht, als einmal als Prinzessin in ihrem Heimatort Rietberger der Narrenschar vorstehen zu dürfen.

Von der Wissenschaft des Popcorn Werfens

Froh sind alle sechs, dass es in Sachen Rosenmontagsumzug wieder einmal gut gegangen und man unfallfrei geblieben ist. Das gilt auch für die eigene Gesundheit, denn: Sich auf den hohen Aufbauten fest auf den Beinen zu halten, das ist gar nicht so leicht. „Die alten Trecker rumpeln schon ganz schön, wenn sie nach dem Halt wieder anfahren“, kommentiert Siggi Laukötter-Bartscher die Erfahrung von Melanie Breimann, die bei einem solchen Neustart in der Rathausstraße fast gestürzt wäre. Lernen musste das Sextett, mit den guten Gaben für den jecken Nachwuchs richtig umzugehen. Bonbons, Lakritze, Törtchen, Mausespeck und Co nämlich lassen sich keineswegs einfach mal eben so ganz schwungvoll in die Massen werden.
Probleme etwa gab es mit den leichten Popcorn-Tütchen, die kamen kaum über die Wagenkanten hinaus. „Da mussten wir dann schon ganz gezielt aufpassen und diese weitergeben, damit das alles nicht an den Wagenrädern landete“, so Melanie Breimann.

Kalt? Von wegen! Der Umzug ist Adrenalin pur

Ein früher Rosenmontag bedeutet häufiger auch kalte Temperaturen – und bekanntlich schickte der Himmel zwischendurch beim Kinderzug wie auch des Nachmittags Schneeflocken konfettiartig über die Altstadt. Langes Stehen ist angesagt auf den Wagen vom Nordtor bis zum Südtor und darüber hinaus.
Doch gefroren hat keiner. „Kalt? wird es nicht – der Umzug, das ist Adrenalin pur.“

 

An Rosenmontag arbeiten?   –Ist unvorstellbar für die heimischen Tollitäten

Rietberg (robui). Rosenmontag in Mainz, Köln oder am Rhein? Unvorstellbar für die heimischen Tollitäten. Alle sechs sind hier verwurzelt und aus jeder Erzählung klingt die tiefe Verbundenheit zum Brauchtum in der siebensmal sympathischen Stadt an der Ems.
„Es würde mir nie einfallen, Rosenmontag woanders zu sein.“ Hier treffe man zudem so viele alte Bekannte, die eigens wie im Sommer zum Schützenfest im Winter zum Straßenkarneval anreisten. Winfried Sandmeyer weiß eines: „Ich noch mal an Rosenmontag arbeiten? Nein!“ Einmal vor jahren, als er noch in Delbrück lebte, hätte er das getan – und sei erst nach Hause gekommen, als der Umzug schon vorbei war. „Das muss ich nicht noch einmal haben.“ Zu Ende ist übrigens nur die Session, nicht aber die Amtszeit der Prinzenpaare. Terminverpflichtungen gibt es übers Jahr genug, aber „das ist alles wunderschön.“ Und, so alle sechs: „Man muss ein bisschen verrückt sein, um Prinzenpaar zu werden.“