Wacholderhochzeit: Wer nicht „Ja“ sagt, wird abgefüllt

Die Überraschung ist geglückt: Siedlung denkt sich die perfekte Zeremonie für ein Liebespaar aus

Ohne das passende Getränk geht bei einer solchen Hochzeitszeremonie natürlich gar nichts.

Varensell (sst). „ Wer bei uns nicht verheiratet ist, der wird kurzer Hand verwacholdert“. Sprach‘s, und schon machte sich die „Moorspaßgruppe“, die rund 55 Personen aus den Siedlungen Moorweg und Auf dem Moor in Varensell vereint, ans Werk, um Diana Kochtokrax und ihren Partner Martin Knauf nach ganz eigenen Regeln zu „vermählen“.
An dem beliebten Hochzeits­datum 18.8.2018 traf die komplette Nachbarschaft gegen 18 Uhr vor dem Haus des bislang unverheirateten Pärchens ein. „Offiziell, um sich mit uns für das Fahnenaufhängen für das anstehende Schützenfest zu treffen“, sagte Diana Kochtokrax nichtsahnend. Doch weit gefehlt. Die humorige Truppe hatte ganz andere Pläne mit ihren Nachbarn. Alle waren im Bilde, außer die

„Brautpaar“ dachte, es würden Fahnen aufgehängt

zwei Protagonisten, die blitzschnell zu den Hauptfiguren des Abends wurden. In ganz normaler Alltagskleidung öffneten die beiden ihre von außen bereits geschmückte Haustür und blickten überrascht in die Menge. Doch die Moorspaßgruppe wäre nicht die Moorspaßgruppe, wenn sie nicht an wirklich alles gedacht hätte: Kurzerhand wurden in der emotionalen Überwältigung schnell ein weißes Kleid und ein blauer Anzug angezogen, die perfekt vorbereitete Nachbarschaft brachte sogar einen Brautschleier und einen Zylinder mit und begleitete das Brautpaar dann in die selbstgebaute Kutsche. Mit dieser ging es weiter zum Wendehammer der Siedlung, wo eine weiße Kniebank und drei als Pfarrer verkleidete Nachbarn auf das Brautpaar warteten. Nach dem fast göttlichen Segen, gab es als Geschenk von der Nachbarschaft noch eine dreistöckige Hochzeitstorte. Bei Musik, Tanz und viel Wacholdergeist wurde ein Straßenfest gefeiert, das erst in den frühen Morgenstunden bei dem Wacholderbrautpaar mit traditionellem Spiegeleieressen und – wie könnte es auch anders sein – jeder Menge Wacholder zu Ende ging.
Das Abkränzen rund zwei Wochen später wurde in gemütlicher Runde und einer Foto-Diashow in der Hofeinfahrt abgerundet. Eine richtige Hochzeit, dieses Mal dann aber mit einem echten Standesbeamten, soll in naher Zukunft nachgeholt werden, verriet das Wacholderpaar, das sich ganz doll bei seinen Nachbarn für die großartige Überraschung bedanken möchte.