„Voll muttiviert“ mit dem Drahtesel zur Kundgebung

Nur 60 Rietberger Unionsanhänger erhielten Karten für den Besuch von Angela Merkel in Steinhorst

S t e i n h o r s t . Kaiserwetter für die Kanzlerin – strahlender Sonnenschein empfing Angela Merkel inmitten des Dorfes im Dreiländereck Delbrück/Rietberg/Verl – und mit ihm fast 3.000 Menschen aus dem Umland. Ob Steinhorsts knapp 800 Einwohner alle selbst dabei waren, ist nicht klar, sie hatten in den Vortagen geduldig so einiges ertragen.
Denn eine Stippvisite der mächtigsten Frau mindestens Europas ist natürlich begleitet von exorbitanten Sicherheitsmaßnahmen. Tage vor dem eigentlichen Termin wurde das „emsige Dörflein“ bereits zum Hochsicherheitstrakt, wurde der Kern abgeriegelt und die Bevölkerung angehalten, nachts nicht mehr rund um den Festplatz zu flanieren.
Was es heißen kann, die Kanzlerin schützen zu wollen und zu müssen, erfuhren auch die Aktiven der Ostenländer Blaskapelle. Die Ehre, bei der Großveranstaltung im Zelt vor schon dort über 1600 Menschen für die musikalische Unterhaltung sorgen zu dürfen, ging einher mit einer Trennung von den lieb gewordenen und vertrauten Instrumenten. Ausnahmslos alle Aktiven mussten diese zuvor nämlich abgeben. Pauken, Posaunen und Co landeten bei Mitarbeitern des Bundeskriminalamtes, wo sie auf‘s Genaueste geprüft wurden. Erst unmittelbar vor dem Auftritt gab es die Teile zurück.
Auch die Pressevertreter wurden mit ihren persönlichen Angaben im Vorfeld vom BKA durchgecheckt, ehe überhaupt ein Zutritt ins Zelt denkbar wurde. Und vor dessen Innerem mussten sich am Eingang alle Medienrepräsentanten ausgiebigen Kontrollen unterziehen – mehrfach. Anders übrigens als die Besucher im Zelt, die bei Brezen, Bratwurst, Frikadellenbrötchen und Bier auf die Kanzlerin warteten.

„Nicht einmal wurde in die Handtasche geschaut“

„Komisch, die haben nicht einmal in meine Handtasche geguckt“, wunderte sich eine Rietbergerin über die vermeintlich lasche Überprüfung am Einlass. Rund 60 Merkel-Anhänger und Interessenten aus der Emskommune waren in Steinhorst dabei, CDU-Urgesteine wie Dr. Michael Orlob mit Ehefrau Anne, der Kaunitzer Josef Lakämper, Altbürgermeister der Nachbarkommune Verl und viele mehr ließen sich das Spektakel nicht entgehen.
Rietbergs CDU-Stadtverbandsvorsitzender Bernhard Altehülshorst, auch er vor Ort, hätte weitaus mehr Tickets gebrauchen können, doch die waren aufgrund der begrenzten Platzanzahl im, übrigens auch Rietberger, Festzelt der Firma Nolte, kontingentiert. Schon die Anfragen aus Westerwiehe, dem unmittelbaren Steinhorster Nachbarort, hätten die Kartenanzahl nahezu aufgebraucht. Einen Sonderbus setzte die Rietberger Union nicht ein, zu aufwendig bei der Verteilung von 60 Karten in sieben Stadtteilen. stattdessen motivierte der Vorstand die Mitglieder, das Dorf im Kreis-Grenzland mit dem Fahrrad anzusteuern, ein Aufruf, dem die meisten Folge leisteten. Wohl auch in der Befürchtung, keinen Parkplatz mehr zu finden. Davon allerdings gab es letztlich mehr als genug, die meisten sogar im unmittelbaren Veranstaltungsbereich keine 300 Meter vom Festzelt entfernt. Zu den Sicherheitsmaßnahmen hier gehörte die Abtrennung der Straße mit Feuerwehrfahrzeugen, die quer über die Fahrbahn gestellt waren. Weiträumig um Steinhorst herum war zudem massive Polizeipräsenz an allen Zufahrtsstraßen vor Ort. Merkels Einmarsch glich einem Triumphzug, im Unterschied zu allen anderen Auftrittsorten an den Vortagen gab es in der CDU-Hochburg Steinhorst, keine Krawalle und keine Störungen, nur ein einzelner Protestler lief unübersehbar draußen umher und blieb mit der Aufschrift auf seinem T-Shirt „Merkel in den Knast“ von Security und Polizeikräften zwar intensiv beäugt, aber doch unbehelligt.