Proteststurm wegen der Friedhofslinden

Naturschützer und Bürger sind entrüstet wegen anstehender Fällung

Großer Unmut macht sich breit. Die Kirchengemeinde hat beschlossen, sieben Linden auf dem Friedhof fällen zu lassen. Dagege

Rietberg (mad). Nachdem der RSA exklusiv berichtete, dass die Lindengruppe auf dem Friedhof an der Mastholer Straße gefällt werden soll, rollt durch Rietberg eine regelrechte Woge der Entrüstung. Viele Bürger ärgern sich über die Entscheidung der Kirchengemeinde, die alten Bäume entfernen zu wollen und äußern darüber ihr Unverständnis.
Nachdem die Redaktion davon Wind bekam, dass eine Baumgruppe auf dem Friedhof gefällt werden soll, hakte der RSA sofort nach und berichtete als erstes über die mittlerweile zu einem Aufreger-Thema gewordene Entscheidung der Kirchengemeinde. Wie diese zu Rietbergs Anspruch, Klimakommune sein zu wollen passe, wird oft kritisch angemerkt. Andere Stimmen äußern ihren Unmut generell dagegen, so alte Bäume zu fällen, die ihren Beitrag zu einem guten Klima leisten und eben nicht mal in ein paar Jahren wieder nachwachsen. Am vergangenen Wochenende sind sogar Aktivisten der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (GNU) im Kreis Gütersloh vor die Kirche gegangen, um gegen die Baumfällung zu protestieren.
„Bei nachweißlich krankem Gehölz, ist ein Fällen aus Sicherheitsgründen selbstverständlich. Aber nur weil ein fast 100 Jahre alter Baum im angenommenen gesunden Zustand Pflegekosten verursacht, sollte man ihn nicht abholzen – und das gleich sieben mal“, sagt Jürgen Don (FWG). Wenn die Bäume gesund sind, sollten sie Ortsbild

Alte Bäume prägen das Ortsbild entscheidend

prägend erhalten bleiben, so Don. Das sieht auch Professor Manfred Niwiarra so: „Sofern sie nicht gefährden, sollten so viele Bäume wie möglich im Stadtgebiet erhalten bleiben“, findet der FDP-Mann. Auch die Grünen-Fraktion ist entschieden gegen das Abholzen: „Man muss sich daran gewöhnen und lernen, mit prächtigen Bäumen zu leben. Das betrifft den Laubanfall, aber auch wachsendes Wurzelwerk. Da muss man nach Lösungen suchen, die den gesunden Baum nicht das Leben kosten“, sagt Hardy Vormittag. Mit den Grünen will er im Rat einen Antrag auf eine Baumschutzsatzung stellen, damit gegen willkürliches Abholzen etwas unternommen werden kann. SPD-Fraktionsvorsitzender Gerd Muhle: „Wir wollen prüfen lassen, ob die Reste der alten Lindenallee unter Naturdenkmalschutz gestellt werden können.“ Marco Talarico (CDU) bedauert die Welle der Kritik: „Man sollte doch zuerst gemeinsam miteinander reden, anstatt übereinander.“ Den Zustand der Bäume könne er nicht beurteilen, aber man sollte die Entscheidung der Kirchengemeinde nicht pauschal verurteilen, so der CDU-Mann.
Die Stadt Rietberg sieht keine rechtlichen Möglichkeiten die Baumfällaktion zu verhindern.