Polizistin durchsucht Mordhaus: „Wie im Horrorfilm“

Prozess wird wieder aufgenommen – schon im April soll das das neue Urteil gesprochen werden

Artur T. berät sich mit seinen neuen Anwälten Björn Nordmann (links) und Matthias Doehing (rechts). Der Angeklagte wirkt g

Rietberg/Bielefeld (mad). Etwa 14 Monate ist es her, dass die beiden Angeklagten im Westerwieher Mordprozess vor dem Landgericht Bielefeld zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt wurden. Nun sitzen Robert D. und Artur T. abermals im Verhandlungssaal – wegen desselben Tatvorwurfs. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil wegen formaler Fehler einkassiert (der RSA berichtete), nachdem Revision eingelegt wurde. Jetzt wird der Fall komplett neu verhandelt.
Statt in T-Shirt, wie bei der ersten Verhandlung, erscheint Robert D. im dunklen Anzug und Krawatte, nimmt neben seinen Verteidigern, Timo Scharrmann und Martin Rother, Platz und blickt stumm in den Raum. Artur T. hat sich neue Rechtsbeistände genommen. Die Rechtsanwälte Matthias Doehing und Björn Nordmann übernehmen die Verteidigung des 50-Jährigen, der im Gerichtssaal den Kopf senkt und mit einer Hand sein Gesicht verdeckt.
Der Tatvorwurf gegen die beiden Männer ist immer noch derselbe: Gemeinsam mit einem dritten Komplizen, dem in Polen wegen anderer Delikte inhaftierten Piotr L., sollen sie geplant haben, das Brüderpaar Heinz und Werner S. (zum Tatzeitpunkt 64 und 63 Jahre alt) auf der abgelegene Hofanlage in Westerwiehe zu überfallen, um eine hohe Summe Bargeld zu erpressen. Unter Anwendung hoher Gewalt sollten die Brüder dazu gebracht werden, das Geld herauszugeben. Dabei sollen D. und L. derart brutal vorgegangen, dass der ältere Bruder Heinz, zudem noch herzkrank, an den Folgen der schweren Misshandlung verstarb. Von der 10. Strafkammer des Bielefelder Landgerichts wurden Artur T., der die beiden anderen gefahren haben soll, und Robert D. schließlich im Dezember 2016 zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Seit Dienstag vergangener Woche liegt der Fall nun auf dem Tisch der 1. Strafkammer. Das Richterteam um den Vorsitzenden Wolfgang Korte muss nun die Geschehnisse jener Mordnacht erneut analysieren. Ihre Aufgabe ist es, die Tatmotive genauer herauszuarbeiten und insbesondere den Tatvorsatz der einzelnen Personen genauer zu belegen. Dies hatte der BGH gerügt. Was die Verhandlung angeht, so steht der Prozess wieder ganz am Anfang: „Wir sind wieder auf null“, sagt der vorsitzende Richter Wolfgang Korte. Ob die Angeklagten eine Hilfe sind, darf bezweifelt werden: Robert D. und Artur T. schweigen zu den Tatvorwürfen, die Staatsanwalt Udo Vennewald im Verhandlungssaal verliest. Auch Piotr L. lässt über seinen Rechtsbeistand ausrichten, die Aussage zu verweigern. Zum Prozessauftakt werden die ersten Zeugen befragt. Zwei Polizeibeamte schildern ihre Eindrücke von der Mordnacht, als sie das Haus der beiden Brüder in Westerwiehe betraten. „In einem Raum war alles blutverschmiert, es sah aus, wie in einem Schlachtraum“, beschreibt eine Polizistin die Szenerie vor Ort, als sie mit gezogener Waffe das Haus nach den Tätern durchsuchte. Auch an den schwerverletzten Werner S. kann sie sich erinnern: „Der Mann sah schlimm aus, wie im Horrorfilm.“ Auch Werner S. wurde erneut befragt und schilderte ein zweites Mal die schrecklichen Geschehnisse. Mit einer Sichtschutzwand wurde ihm dieses Mal der Anblick der Angeklagten erspart. Nach 17 Terminen soll im April das neue Urteil gesprochen werden.

Robert D. nimmt zwischen seinen Strafverteidigern Timo Scharrmann (links) und Martin Rother Platz. Während des ersten Verhandlungstages zeigt sich D. ziemlich regungslos. Fotos: RSA/Addicks