Monumentale Bronze-Skulptur kommt nach Varensell

Kran-Koloss, Transport-LKWs und Straßensperrung, ein Pferd und sein Reiter getrennt am Himmel

Nahezu friedvoll steht der Apokalyptische Reiter im Garten von Hilde und Wilfried Koch (von links), die ihn erfreut empfangen

Varensell. Die Reise war lang. Fast 20 Jahre nach ihrer ersten Ausstellung vorm Kreishaus in Gütersloh kam Dr. Kochs monumentale Skulptur „Frieden: Sturz der Apokalyptischen Reiter“ in den kunstvoll gestalteten Garten im Privathaus des Ehepaares Hilde und Dr. Wilfried Koch in Varensell. Atemberaubend in den Ausmaßen, gewaltig in der künstlerischen Ausdeutung, so präsentiert sich die größte Bronzeskulptur des hochdekorierten und freischaffenden Künstlers, Dr. Wilfried Koch.
In den letzten sechzehn Jahren stand sie als Dauerleihgabe vorm Landesmuseum in Detmold. Sie hatte vorher auf einer bedeutenden Ausstellungsreise

Skulptur von über vier Meter Höhe

durch Deutschland ihre Wirkung hinterlassen. Nun wollte der Künstler das Kunstwerk in seiner Nähe wissen und nicht, wie schon gemeldet, im Skulpturenpark der Stiftung Dr. Wilfried und Hilde Koch aufstellen.
Spezialisten waren gefragt, das 4 Tonnen schwere Bronzewerk sensibel abzubauen, tranportsicher zu verladen, um es in Varensell, am neuen Standort, schadlos aufzubauen. Das ist ganz und gar gelungen. Ein Team der Firma Effertz, sie hatten schon vor Monaten die große Skulptur der Spinnerfamilie nach Wiedenbrück transportiert, haben Abbau, Transport und Wiederaufbau übernommen. Ihnen war bewusst, welche Werte sie bewegten, das spürte man bei jedem ihrer Arbeitsschritte. Ein Kran-Koloss der Firma Peterburs war angerückt, um mit seinem 60 Meter langen Mast den Lufttransportweg sicher zu garantieren. Sanft und sicher wurden Pferdekorpus und Reiter

Wie viereinhalb Tonnen durch den Himmel gleiten

verzurrt und einzeln nacheinander an ihren neuen Standort gehievt. Alles geschah natürlich unter den wachsamen Augen von Dr. Wilfried und Hilde Koch und interessierten Nachbarn als Zuschauer. Nach ca. sieben Stunden war es dann geschehen, der Kran abgebaut, die Straße frei und der „Sturz der Apokalyptischen Reiter“ stand friedvoll und wie dafür geschaffen an seinem neuen Standort im Garten von Hilde und Wilfried Koch

Ausstellungs-Stationen
1999-2000 Gütersloh, Kreishaus
1999 Hamburg, Ev. Hauptkirche St. Michaelis
2001 Rietberg, Rathausplatz
2001 Berlin, Kaiser-Wilhelm Gedächtnis-Kirche
2001-2002 Brandenburg, Dom
2002 Mannheim, Luisenpark
2002 Ludwigsburg, Schlosspark
2002-2018 Detmold, Landesmuseum, Dauerleihgabe

Frieden: Der Sturz der Apokalyptischen Reiter
Die apokalyptische Version des Johannes bereitet die frühen Christen bildhaft auf die Gräuel des nahe geglaubten Weltuntergangs vor. Das sechste Kapitel beschwört das Schreckensbild von Pest, Krieg, Hunger und Tod herauf, die als vier Reiter Verderben über die Welt bringen. Kochs Utopie eines Sturzes die-ser vier Reiter wandelt die Schrecken der Apokalypse ebenso visionär in ein Sinnbild des Friedens um. Diese Umdeutung ist ohne Vorbild, weil sie bisher weder in theologischen Abhandlungen erwogen noch in der Kunst gestaltet wurde. Die monumentale Darstellung erfährt ihre künstlerische Verdichtung durch die Reduktion auf ein Pferd und auf einen Reiter, dieser hat jedoch vier Köpfe und vier Arme. Es ist ein Werk von beispielloser Kühnheit, dass in der ganzen bisherigen Kunstgeschichte einzigartig dasteht. Der Gedanke, welcher der Skulptur zugrunde liegt, ist auch zu verstehen als „die erste vollgültige künstlerische Antwort auf das Zeitgeschehen, mit dem wir konfrontiert sind: Es ist der große freiheitliche Aufbruch von 1989, der der Welt das Ende des Ost-West-Konflikts, den Zusammenbruch des Sowjet-Blocks, die Wiedervereinigung Deutschlands und die Verheißung eines ersehnten Friedens gebracht hat“.
 (Prof. Eugen Biser).