Modehaus Wapelhorst schließt Geschäft

Betrieb nach 88 Jahren ohne Nachfolger – Aufgabe erfolgt im November

Über mangelnde Kundenresonanz braucht sich Heribert Wapelhorst nicht zu beklagen. Er schließt aus Altersgründen das Modeha

Neuenkirchen (robui). Die Würfel sind gefallen, das Traditions-Modengeschäft Wapelhorst schließt noch in diesem Herbst seine Türen. Damit endet eine 88jährige Ära, seit 40 Jahren mitten im Herzen Neuenkirchens angesiedelt. Der Dorfkern und das Modehaus an der Langen Straße schienen seither untrennbar miteinander verbunden, jetzt also gibt Heribert Wapelhorst aus Altersgründen auf.
„Es heißt Abschied nehmen, es war eine schöne Zeit mit euch allen und dafür sind wir sehr dankbar, aber alles hat seine Zeit“, so der Inhaber im RSA-Gespräch. „Wir haben unsere vielen Kunden jahrelang an die Hand genommen, besonders die Herren, denn die gehen nun einmal nur selten freiwillig in einen Klamottenladen“, erinnert er sich in der ihm eigenen westfälisch-kauzigen humorvollen Art. „Wir haben unsere Kunden nie gequält, weil wir mit unserem Sortiment genau wussten, was die Kunden bei uns suchten. Gemeinhin passte zumeist gleich die erste vorgelegte Hose und somit gingen unsere Kunden lächelnd aus dem Laden, nicht selten mit der Bemerkung: macht um Gotteswillen niemals zu – wohl auch wissend, dass inhabergeführte Läden wie der unsere nicht mehr zu ersetzen sind.“
Heribert Wapelhorst weiter: „Wir bitten trotzdem alle unsere Kunden um Verständnis, dass auch wir einmal leben und das Recht haben, unseren Ruhestand noch zu genießen.“ Und, mit ernster Miene beschließt der Kaufmann aus Leidenschaft sein Statement: „Dass wir nun unsere Kunden alleine lassen, belastet uns sehr.“ Ab dem 8. Oktober startet der Räumungsverkauf, am 6. und 7. Oktober bleibt das Geschäft wegen der Vorbereitungen auf diesen und auf den sonntäglichen Markt unter dem Namen Neuenkirchener Herbst geschlossen. Gerade des Marktes hatte sich Wapelhorst in besonderer Weise angenommen und ihn nach Auflösung der Werbegemeinschaft weiter fortgeführt und ausgebaut. Was nun aus der Traditionsveranstaltung werden wird ist noch offen.

 

Redaktionsmeinung

Diese Nachricht traf auch uns beim RSA überraschend und stimmte uns traurig. Es gibt so bestimmte Einzelhandelsgeschäfte in den Stadtteilen, die sind prägend, gehören zum Dorfbild ersatzlos dazu, sind original und unverfälscht und ihre Inhaber eine Institution. So wie Heribert Wapelhorst. Jetzt also kommt das Aus für den Modebetrieb, nicht, weil irgendwelche Großketten im Internet ihm die Kundschaft abgeworben haben, sondern schlichtweg weil es am geneigten Nachfolger fehlt. Schade, wirklich schade. Es geht ein Stück dörflicher Identität unwiederbringlich dahin. robui