Manfred Simon: „Ich war emotional davon gefesselt!“

Bekannter Delbrücker stiftet nach umfangreichen Ahnenforschungen Relief für St. Marien-Kirche

Steinhorst (mad). Gotteshäuser werden zumeist reich geschmückt. Doch so manches Prunkstück bekommt eine Kirche erst nach vielen Jahren verliehen. St. Marien, kürzlich zur Kirche des Monats ernannt, ist nun um ein schönes und außergewöhnliches Relief reicher. Und das hat sie einer ganz besonderen Geschichte zu verdanken.
Dass ihn diese besondere Geschichte ausgerechnet mit dem Steinhorster Gotteshaus verbindet, hatte der Delbrücker Manfred Simon zunächst auch nicht gewusst. Doch ein kleiner Zufall veranlasste ihn dazu, sich seine Familienchronik einmal genauer anzusehen. „Vor vielen Jahren hat schon einmal jemand mit deinem Familiennamen vor der Kirche für ein Foto posiert“, wurde Manfred Simon bei einem Pressetermin gesagt, als es eigentlich um die Renovierung und Umwandlung der alten Steinhorster Schule zum Heimathaus ging.
Ein Satz, der Manfred Simon neugierig machte. Der Enkel einer Französin aus dem Elsass, Angelika Bianci, und eines drahtigen Mannes aus dem Sauerland fing an, nach seinen familiären Wurzeln zu forschen und wurde bald fündig: „Mein Großvater Josef war tatsächlich damals beim Kirchenbau dabei.“
Vor etwa zehn Jahren trug Manfred Simon einige Informationen zusammen und siehe da: Es existierte sogar ein altes schwarz-weiß Foto, das seinen Großvater bei der Grundsteinlegung zeigt, abgedruckt im Buch „550 Jahre Steinhorst.“ Ein idyllisches Bild in einer Zeit zwischen zwei Kriegskatastrophen, die die Welt erleben musste. Doch eben dieses geschichtliche Ereignis trug dazu bei, dass sich die Großeltern Manfred Simons überhaupt kennenlernten. Beide ließen sich auf dem Steinhorster Hof Güth nieder. Dort wurde dann Manfred Simons Vater Konrad als eines von insgesamt neun Kindern geboren und in der Pfarrkirche St. Marien getauft – so wie auch Manfred Simons jüngste Enkelin Anna. Durch seine Nachforschungen stieg das Gefühl tiefer Verbundenheit zur Gemeinde Steinhorst. „So viel ist mit meiner Familie verzweigt, ich war regelrecht emotional davon gefesselt“, sagt der 66-Jährige im Gespräch mit dem DSA, und hatte den großen Wunsch, dieser Kirche etwas Bleibendes zu vermachen: „Also nahm ich Kontakt zum Generalvikariat in Paderborn auf, auf der Suche nach einem Schmuckstück für die Steinhorster Kirche. Ich wusste, dass sakrale Kunstgegenstände in einem Depot eingelagert sind.“ Schnell bekam er Antwort: Ausgerechnet ein Relief vom Heiligen Michael, dem Schutzpatron der Steinhorster Schützengesellschaft, konnte Manfred Simon auf diesem Wege bekommen. „Das 40 mal 60 Zentimeter große geschnitzte Kunstwerk aus Eichenholz ist 300 Jahre alt und stammt aus dem Kloster Dalheim.“
Eine Restauratorin aus Delbrück arbeitete das Relief mit teilweiser Blattgoldlegierung liebevoll wieder auf. Zum Jahresgedenken des Namenstages des Schutzpatrons wurde das Relief des Heiligen Michael am 29. September an der Pfarrkirche montiert.
Zum Schutz vor der Witterung ist es mit Dolomitstein eingefasst. „Ich spürte an diesem Tag eine große Dankbarkeit“, so Simon. Gotteshäuser kleiner Gemeinden werden schließlich nicht häufig mit derlei schmückendem Beiwerk bedacht. Und Manfred Simon freut sich darüber, auf diesem Wege auch eine kleine Erinnerung an seine Familie geschaffen zu haben.