Ist da das Risiko zu groß?

Leerstände in der Innenstadt nehmen plötzlich zu

R i e t b e r g (robui). „Ich glaube, bei Himmeldirk tut sich was“, flüsterte schon länger der Rietberger „Buschfunk“ – und tatäschlich, im einstigen Textil-Fachgeschäft an der Rathausstraße ist nach jahrelanger Ruhe erstes Leben eingezogen.

Unübersehbar wird dort seit Wochen renoviert, die angestaubten Räumlichkeiten erhalten ein neues Aussehen und können von der Liste der Leerstände gestrichen werden. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte aber ist: Urplötzlich hat sich die Situation in eben dieser Perspektive der Altstadt sehr verschlechtert. Herrschte eben noch Freude darüber, dass endlich hinter den blinden Scheiben des Textilhauses wieder Bewegung ist, so lässt es sich nun bei einem Gang durch die Rathausstraße erschrecken. Mehr und mehr Flächen stehen frei, und das binnen weniger Wochen. Dabei hatte es im vergangenen Herbst noch so gut ausgesehen. Blickte man sich um, so waren es allein jene Läden, die schon länger ohne Nutzung waren. Das allerdings fiel nicht weiter groß auf, denn weder die einstige Kneipe „Galerie“, noch die frühere Galerie im Alten Gericht noch etwa die historische Schwanen-Apotheke offenbarten solch trübe Schaufensterflächen wie das Haus Himmeldirk. Doch nun ist das anders. Und wenn auch längst nicht überall Schilder hängen nach dem Motto „Nachmieter gesucht“, so sind doch von Moden Bergmann, über Glennemeier, in Kürze Kodi, oder auch die Billig-Backstube binnen weniger Wochen viele Schaufenster leer geräumt. In den sozialen Medien und Facebook-Gruppen unter Rietberger Admin-Ägide wird bereits munter und teils kontrovers diskutiert: Bringen die neuen Leerstände das COC schneller voran? Bringt das COC die Innenstadt weiter? Und warum überhaupt schließen plötzlich so viele kleine Geschäfte? Eine Antwort liest sich so: „Für viele ist das Risiko von einem Laden mittlerweile viel zu groß. Man hat erstmal eine Menge Ausgaben im Monat, die wieder reinkommen müssten.“ Wohl wahre Worte.

 

Was ist denn mit dem COC?
Und es fehlen immer noch 2.000 Quadratmeter

R i e t b e r g (mad). Von einem Stillstand in Rietbergs Innenstadt kann nun wirklich nicht die Rede sein. Jedoch sind zunehmende Leerstände sicherlich nicht erfreulich. Kommen sie dem geplanten City Outlet Center aber entgegen?
„Die momentane Entwicklung ist keine positive“, sagt Architekt Leon Meyer vom Planungsbüro Meyer+Kleinewietfeld. „Was wir vor zweieinhalb Jahren prognostiziert haben, ist eingetreten“, so Meyer. Immer mehr Ladenlokale in der Innenstadt stehen leer. Die Attraktivität der Einkaufsstraße leidet unter den vielen geschlossenen Geschäften. „Dieser Entwicklung hätten wir mit dem City Outlet Center gerne entgegengewirkt“, unterstreicht Meyer den erhofften Nutzen des COC. Doch nutzen diese freien Flächen dem Vorhaben nicht eher, als dass sie ihm schaden? „Die Entwicklung ist schade und offenbart ein konzeptionelles Prob­lem“, sagt Meyer. „Es bietet keine Lebensgrundlage für alte Lädchen, aber auch nicht für neue. Und die kleinen Geschäfte sollen ja gerade neben dem City Outlet Center bestehen, um den Kunden eine interessante Mischung bieten zu können.“ Der Trend zeige klar nach unten, sagt der Architekt. Dabei habe die Innenstadt Charme und böte ein schönes Ambiente. Bereits im April 2015 steckte das Planungsbüro in Gesprächen mit Grundstücks- und Immobilieneigentümern. Doch noch immer können die Planer kein grünes Licht geben.„Man müsse dem Projekt einfach etwas mehr Zeit geben“, hieß es damals aus dem Bürgermeisterbüro der Stadt Rietberg. Ein dreiviertel Jahr später sehen die Zahlen jedoch noch nicht viel besser aus. „Es fehlen noch 2.000 der insgesamt benötigten 9.000 Quadratmeter an Fläche. Ohne die hat das Vorhaben sonst keinen Sinn“, so Leon Meyer. Die Verhandlungen laufen weiter und seien auf einem guten Stand, sagt der Architekt. „Grundstückssachen lassen sich einfach schwer vorhersagen. Das kann sich um ein paar Monate verzögern.“