Innige Glückwünsche für 90 Jahre und sein Lebenswerk

Eine überaus große Anzahl Gäste ehrte Dr. Wilfried Koch zum Geburtstag und Vernissage.

In Begleitung seiner Ehefrau Monika (2. v.l.) überbrachte der Präsident des Landtages NRW André Kuper (links), der auch di

Rietberg. Bürger wie sie in den eigenen Reihen zu wissen, ist ein Juwel. „Rietberg gehört zu Dr. Koch und Dr. Koch gehört zu Rietberg“, so Bürgermeister Andreas Sunder in seiner Begrüßungsansprache. Ja, als Juwel, so darf man Dr. Koch mit seinen unglaublichen Fähigkeiten, seinem umfangreichen Wissen und begnadeten Talenten bezeichnen.
Was er, Dr. Wilfried Koch in 90 Jahren damit geschaffen hat, zeigt die Ausstellung „Ein Leben für Kunst und Wissenschaft“ zum 90. von Dr. Wilfried Koch, die vom 27. Januar bis 06. Mai 2019 im Kunsthaus Rietberg Museum Dr. Wilfried Koch, präsentiert wird. Die Retrospektive enthält vor allem Stücke, denen Dr. Koch besondere Bedeutung für seine Entwicklung beimisst. Eine Reihe bisher noch nicht öffentlich gezeigter Objekte befindet sich darunter. Dr. Koch, der seit Anfang der 70er Jahre mit seiner Frau Hilde in Varensell wohnt, als Genie zu bezeichnen, ist wahrlich keine Übertreibung. Selten

Andreas Sunder: Dr. Koch gehört zu Rietberg

findet man Menschen mit dieser Bündelung künstlerischer Eigenschaften. Er hat seine jeweils meisterlich vollendet. Über tausend Portraits bezeugen sein malerisches Talent. Als Lehrer mit exzellenten pädagogischen Fähigkeiten baute er die technische Berufsschule bei Mohn Druck in Gütersloh auf und aus. Er war bis 1985 dort verantwortlicher Leiter. Mit seinem kunsthistorischem Wissen schaffte Koch 1967 die kleine Stilkunde der Baukunst und später 1982 Baustilkunde Europäische Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. Beide Bücher sind in 70 deutschen Auflagen und 20 verschiedenen Sprachen erschienen und haben eine Auflage von ca. 1,5 Millionen Exemplaren erreicht, ein internationales Standartwerk. Anfang der 80er Jahre, grade in den beruflichen Ruhestand gewechselt, widmete er sich der Erschaffung seiner Bronze-Skulpturen. Musik war eine weitere Leidenschaft in seinem Leben. Für all sein künstlerisches und wissenschaftliches Wirken wurde er anerkennend ausgezeichnet. Die technische Universität Kaiserslautern verlieh Wilfried Koch 1997 den Titel Dr.- Ing. Eh. Die europäische Akademie der Wissenschaften und Künste, rief Dr. Wilfried Koch 2002 in die Klasse Weltreligionen, eine hohe Anerkennung für sein Schaffen.
Diese Anerkennung zeigten ihm auch die 140 Gäste, die den Rathssaal bis auf den letzten Platz füllten. Den Reigen der Festredner setzte Frank Ehlebracht fort, als Vorstandsvorsitzender der Stiftung der Sparkasse Rietberg erinnerte er daran, dass das Institut zum 125-jährigen Jubiläum die Stiftung der Sparkasse gründete,
zeigte sich erfreut darüber das es 2007 zur Zustiftung von Dr. Wilfried und Hilde Koch kam. Arbeiten von Koch waren Frank Ehlebracht, der aus Bad Oeynhausen stammt, schon am dortigen Herzzentrum aufgefallen. Der Turmbläser und der Panflötenspieler sind am Eingang des Institutes präsent. Die Festreden wurden musikalisch ergänzt durch Engelbert Schön. Für seine meisterhafte sensible Spielkunst wurde er mit lang anhaltendem Applaus belohnt. Dr. Koch bedankte

Ca. 1,5 Mio Exemplare Baustilkunde verlegt

sich später bei dem Pianisten mit dem so treffenden Satz: „Man muss gar nicht viel zu ihm sagen, man muss ihn nur spielen hören“. Kein geringerer als der Präsident des Landtages von NRW André Kuper hielt die Laudatio auf den Künstler, zu seinem 90. Geburtstag. Er blickte in seiner wohl geformten Rede auf das Gesamtwerk von Dr. Wilfried Koch, weil bei ihm der Mensch im Mittelpunkt seines Schaffens steht. Beispielhaft erwähnte Kuper die frühen Zeichnungen und Skizzen die bei Zug-
reisen entstanden sind. Nannte die alte Frau am Bahnhof in Offenburg, die Ostflüchtlinge im Zug und weitere Beispiele. Er nannte sie nicht nur Portraits sondern Schicksalsberichte, Zeitzeugnisse, nachhaltiger als viele Fotografien aus jener Zeit. „Sie haben, lieber Herr Dr. Koch, einfache Menschen, den Namenlosen, den Vertriebenen und Kriegsversehrten, sie haben diesen Menschen einen Namen und eine Würde gegeben, durch ihre Portraits“ so André Kuper.
In der Zeit als Rietberger Bürgermeister habe er die gesamte Entwicklung vom Skulpturenpark im Klostergarten, Kunsthausmuseum, Stiftung und all die nachhaltigen Pläne mit begleiten können. Das Ergebnis erfreue ihn heute immer wieder. Ehre, wem Ehre gebührt. „Mögen sie lieber Herr Koch, unsere Absicht erkennen, ihnen zu danken, für das Bleibende, was sie geschaffen“, haben so der Landtagspräsident. Bei der Frage, was man jemanden wünscht, der sein 90. Lebensjahr in bewundernswerter Art und Weise vollendet hat, fiel André Kuper eine kleine Geschichte von Konrad Adenauer ein. Als dieser 90 Jahre alt wurde, gratulierte ihm einer seiner Minister mit den Worten: „Herr Bundeskanzler, ich wünsche ihnen, dass Sie 100 Jahre alt werden. „Darauf entgegnete Adenauer: „Warum setzen sie der Barmherzigkeit Gottes nur so enge Grenzen?“ Kuper gestand, dass ihm dieses Zitat außerordentlich gefiel. Sichtlich berührt von der Laudatio, wandte sich Dr. Koch zum Auditorium, mit den Worten „Sie wissen gar nicht, wie viel Lob ich vertragen kann“. Geschichten die er auf seine Kindheit und familiäre Herkunft reflektierten, las stellvertretend für den Jubilar,  sein Sohn Wilfried Maria Koch. Auch die waren in ihrer bildhaften Sprache ein wahrer Hörgenuss.
Ehre, wem Ehre gebührt, das war an diesem Morgen Dr. Wilfried Koch gebührend vermittelt. Die Anerkennung galt aber auch gleichermaßen seiner Frau Hilde, die ihn in all seinem Schaffen brilliant unterstützt und begleitet.