Trauzimmer oder Kirche, Herr Sunder?!

Grafschaftler Narren starten mit Vollgas in die neue Karnevalssession
Fotos: Mareikje Addicks

Rietberg (mad). „Das hätte ja fast ein mittelschweres Erdbeben gegeben“, sagte Sitzungspräsident Michael Isenbort, als er gleich zu Beginn der Grafschaftler Proklamationssitzung mit dem Rednerpult kollidierte. Doch so standhaft wie das Pult erwies sich auch das Publikum, das die lange Sitzung in der Aula des Schulzentrums bis weit nach Mitternacht verfolgte. Lokalkolorit, schöne Sketche, bunte Kostüme und großartige Tanzeinlagen – die Rietberger Karnevalisten bedienen jeden Jeckengeschmack. In all dem Trubel wurde das gut gehütete Geheimnis um das neue Prinzenpaar gelüftet: Bernd II. und Bettina I. Hüllmann regieren nun die Rietberger Jecken. Doch neben Kurzweil gab es auch lange Strecken für das Publikum und wer von außerhalb kam, konnte manchen Beiträgen aufgrund des geforderten Insiderwissens nicht gar so einfach folgen. Der Abstecher ins Baukoz (Baustellenkoordinierungszentrum) indes hätte kürzer ausfallen dürfen und für so manch auswärtigen Gast waren die vielen Namen wahrscheinlich eher verwirrend. Doch Frau Warendorf (Andrea Rodehutskors) zauberte so manches lokale Aufregerthema aus dem Baustellenhut, über die das Publikum herzhaft lachen konnte. Für Andreas Sunder hatte sie eine pfiffige Idee: Das Stadtoberhaupt könnte nach der Rathaussanierung ins Trauzimmer einziehen. „Dort sind schon viele Versprechen abgegeben worden, die auch nicht eingehalten wurden“, sagte sie. Doch wie die „Küken“ nachher auflösten, sollte der mit Umzugskartons bepackte Bürgermeister nach seiner verzweifelten Suche nach einer Unterkunft ein ganz anderes Quartier beziehen. Nicht das Eiscafé, nicht das Schuhhaus Tölle und auch nicht die Sparkasse – nein, kein geringerer als Pastor Andreas Zander gewährt ihm Unterschlupf in seiner Kirche. Büttenrednerin Hertha hatte die Lacher auf ihrer Seite: „Von wegen Wespentaille! Ich habe eher eine Hummelhüfte“, scherzte sie und plauderte locker über ihre Ehe mit Ambrosius. „Scheiden lassen tu ich mich nicht mehr. Ich zieh das jetzt durch.“ Ähnlich packten es auch die Männer von „Potsch“ an: Dafür, dass sie sich als Gruppe ehemaliger Bewegungslegastheniker bezeichnen, bekamen es die Jungs von der Baustelle doch recht galant und mit viel Humor hin, das hochgehängte Baustellenschild zu entfernen. Regelrecht wild wurde es mit den Grafspatzen, die als Affenhorde die Bühne stürmten, um die Kokosnuss zu suchen. Die Prinzengarde brachte mit einer Inszenierung von „Jumanji“ richtig viel Action auf die Bühne und auch die Altweiber legten mit ihren Rollatoren einen kessen Reifen aufs Parkett, der Fanfarenzug sorgte für Musik.