Frei sein von allem Ballast

Der Mundwerker kommt mit Küchenorchester

D e l b r ü c k (held). Der Bauernmarkt auf dem Katharinenmarkt hält am Sonntag einen besonderen Gastauftritt bereit. Der „Mundwerker“ alias Michael Klute ist zu Gast. Er wird mit seinem Kuh- und Küchenorchester für gute Stimmung sorgen, denn er hat eine Mission: „Ich will die Flamme der Musik bei den Menschen entzünden“, sagt er.
Dieses heroische Ziel will er mit einfachen Mitteln erreichen. Ausgestattet mit einigen Instrumenten hat er sich vorgenommen die Delbrücker im Sturm erobern. „Ich bin nicht derjenige, der sich vor das Pub­likum stellt und zeigt, wie toll er spielen kann. Mir geht es um das gemeinsame Erleben“, verrät er. Deshalb will der Mundwerker die Zuschauer mit einigen Instrumenten in sein Programm mit einbeziehen. „Wir werden auf dem Bauernmarkt zu den Delbrücker Stadtmusikanten“, sagt er. Michael Klute selbst hat mit 27 Jahren angefangen, Musik zu machen. In einer Zeit, in der er im Umbruch steckte. Nach seiner Ausbildung und einigen Jahren im Beruf hatte er sein bisheriges Leben satt. „Es gab 1.000 Dinge, die mich störten“, beschreibt er das Gefühl heute. Deshalb zog er einen Schlussstrich und sagte sich: „Ich lasse mich nicht mehr leben.“ Gab alles, was er damals besaß weg, kündigte seinen Job und zog mit einem Maultier sowie zwei Hunden von da an als Landstreicher durch die Orte. „Irgendwann hatte ich kein Geld mehr, musste betteln gehen und dadurch, dass ich nichts mehr hatte, wurde mir alle Angst genommen“, berichtet er. Auf seinem Weg sind ihm viele Menschen begegnet, mit denen er ins Gespräch kam, die ihm geholfen haben und die er aber auch inspiriert hat. „Ich war mal auf einem Campingplatz. Ich wollte einfach mal meine Wäsche in einer richtigen Maschine waschen und so bin ich hin, habe gefragt und direkt dazu gesagt, dass ich aber kein Geld hätte, um dies zu bezahlen.“ Die Besitzer des Campingplatzes haben ihm einen Schlafplatz unter einem Vordach eingeräumt. Die Camper selbst wurden neugierig auf den Mann, der dort mit seinen Tieren saß. „Irgendwann kamen sie und brachten mir Bier, Pizza und sogar Geld. Da habe ich sie gefragt, wa­  rum sie das machen. Schließlich bekamen sie keine Gegenleistung dafür. Sie haben mir geantwortet, dass ich das bin und tue, wovon sie immer geträumt haben: frei sein. In der Zwischenzeit ist Michael Klute sesshaft geworden, doch an seiner Einstellung hat sich seitdem nicht viel verändert. Noch heute überkommt ihn alle fünf bis sieben Jahre wieder der Drang alles abzustoßen. „Es ist für mich wie Ballast, von dem ich mich freimachen muss. Es ist ein gutes Gefühl einfach nichts zu haben. Man hat eine viel intensivere Wahrnehmung“, schwärmt Klute. Doch die Katharinenmarktbesucher müssen keine Angst haben: Bis zu seinem Auftritt am 19. September auf dem Bauernmarkt will Klute auf jeden Fall seine Instrumente behalten. Ein Programm mit viel Musik, Humor und Geschichten ist also garantiert.