Es fehlt ein bisschen Charme

Jakobi-Premiere verläuft anders, als erwartet. Fotos: RSA/Addicks/robui

Mastholte (mad). Als Jakobi-Erstling schlendere ich neugierig über den Markt und staune: Der kleine Ort hat es geschafft, die „Hütte voll zu kriegen“. Andere Städte wären neidisch auf so viel Resonanz. Doch ernüchtert stelle ich schon nach ein paar geschlenderten Metern fest: Wenn ich eine Lkw-Ladung Handtaschen benötigen würde, wäre ich hier genau richtig. Ich hatte mir deutlich mehr kleines Handwerk, ein bisschen mehr Heimeligkeit gewünscht. Dennoch retten der Flohmarkt-Bereich sowie kleine Deko- und Schmuckstände die Atmosphäre. Kinder erfreuen sich an zwei Fahrgeschäften, während die Erwachsenen an den Getränkeständen Zeit zum Plauschen finden. Ich störe mich an den Pferden, die zur Belustigung in der Runde laufen oder in den warmen Transportern warten müssen. Ein schattiges Streichelgehege mit Ziegen, Schafen und Kaninchen hätte Jakobi besser gestanden. Und insbesondere den kleinen Besuchern hätte dies wenigstens eine weitere Attraktion beschert.

 

Weil anders wäre schade!
Noch behält der Markt sein vertrautes Gesicht

Mastholte (robui). Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren: Ein Teil der Marktbeschicker ist mit mir gemeinsam in den vergangenen
drei Jahrzehnten älter geworden. Seit 1984 kenne ich die Großveranstaltung. Schön ist es, wenn man alljährlich Vertrautes und dazu noch bekannte Gesichter wiedersieht. Und das eine oder andere Neue hinzukommt. Noch findet man die Fensterputzwunderanpreiser und Salbengesundheitsapostel, noch findet man Tischdecken und Flaschenbürsten, Grußkarten, Wollsocken, Mikrofasertücher und heiße Pellkartoffeln. Und garantiert nicht mehr zu suchen braucht man Taschen, Gürtel, Halstücher und Geldbörsen, die gibt es mittlerweile im Überfluss. Leider. Zum Glück gibt es aber auch noch den Heimatverein und die örtlichen Gastronome in Mastholte. Die sorgen dafür, dass Jakobi noch immer sein Flair behält, was so vielen Besuchern im Lauf der Zeit lieb geworden ist. Hoffentlich bleibt das noch lange so. Weil anders wäre schade!