„Er kocht gerne, da hab ich ihm ein Butterbrot genäht“

Reinbeißen wird nicht empfohlen: Sabine Raschke fertigt Köstlichkeiten aus Stoff, Wolle und Filz

Druffel (hw). Appetitlich auf einer Porzellanschale angerichtete Cremetortenstücke mit einer Kirsche auf dem Sahnehäubchen, eine Holzplatte mit einer deftigen Brotzeit, bestehend aus Käse, Hausmacherwurst und Tomaten, dicke rote Erdbeeren, knackig-grüne Salatköpfe, runde Äpfel und quietschgelbe Birnen: Was Sabine Raschke auf ihrem Tisch anrichtet, lässt dem Betrachter das Wasser im Mund zusammenlaufen. Doch reinbeißen sollte man besser nicht, denn den Appetit stillen können die vielen Köstlichkeiten aus Stoff, Filz, Wolle und Schaumgummi nicht.
Eine Affinität zu selbstgemachten Dingen hatte die ehemalige Kindergartenleiterin schon immer. Anregungen gab es bereits in der Kindheit: Ihre Tante war Schneidermeisterin und ihre Mutter eine begeisterte Hobbynäherin, berichtet Sabine Raschke. Sticken, Stricken, Häkeln, Nähen, dabei sei sie zunächst in der Schule darin gar nicht so gut gewesen, erinnert sich die 64-Jährige, die mit ihrem Mann in einem gemütlich eingerichteten Haus in Druffel lebt. Hier hat sie sich einen eigenen Arbeitsraum unterm Dach eingerichtet, im ehemaligen Kinderzimmer ihrer Tochter, erzählt sie. An der Wand hängt ein Bild, das Sabine Raschke als 14-jähriges Mädchen an der Nähmaschine zeigt. Denn die Freude an der Handarbeit ist dann letztlich doch noch gekommen und bis heute geblieben. Beispielsweise am Nähen von Krabbeldecken aus bunten Stoffresten oder von bunten Hüllen für Luftballons. Auf diese Weise entstehen leichte Bälle, wunderbar geeignet für Spiele mit kleinen Kindern und in der Seniorenbetreuung. Auch die Kinder einer syrischen Familie, die Sabine Raschke seit einiger Zeit ehrenamtlich betreut, hätten daran großen Spaß. Weil der zweieinhalb Jahre alte Yazan außerdem großes Interesse am Kochen habe, sei ihr die Idee gekommen, kindgerechte Stoff-Lebensmittel für ihren kleinen Schützling und dessen Bruder Adam (11 Monate) zum Spielen anzufertigen. Alles begann mit ein paar Möhren, Spiegeleiern, Brot und Würstchen, die Yazan in einem Topf „zubereiten“ durfte. Weitere „Lebensmittel“ folgten schnell – wobei „schnell“ nicht der richtige Ausdruck ist. Denn allein die Herstellung eines Salatkopfes mit bis zu acht Blättern kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Bezahlen könne man die Zeit kaum, sagt die Hobbynäherin, die mit ihren Kreationen vor allem Familie und Freunde beglückt. Als ihre Freundin Marlies Schulz, die in Rietberg als Marktleiterin tätig ist, das Stoffgemüse sah, war sie sofort begeistert. Und so präsentierte Sabine Raschke ihr Obst und Gemüse auch schon auf dem Rietberger Wochenmarkt, sehr zur Freude der Kinder, die so ihre eigenen Waren kaufen konnten. Und genau das steht im Vordergrund: das Vergnügen der Jungen und Mädchen, die ganz fasziniert sind beim Anblick der bunten Köstlichkeiten. Derzeit macht die Rentnerin eine Ausbildung zur Tagesmutter. Demnächst wird sie in einer Einrichtung in der Nachbarschaft tätig sein und sicher auch dort den Kindern mit ihren kreativen Einfällen eine Menge Freude bereiten.