Ein Klosterdorf feiert sich und seine Schützenkönige

Varensell erlebt drei stimmungsvolle Festtage bei Sonnenwetter und einem kühlen Regenguss

Nach der Auffahrt mit der Kutsche zeigte sich die neue Throngesellschaft im Vorbeimarsch noch einmal dem Publikum, welches de

Varensell. Es war ein Schützenfest, das man noch lange in Erinnerung behalten wird. Nachdem die Benediktus-Bruderschaft bereits im Mai Ausrichter des Bezirks-Königsschießens waren, traten sie nun an, um in den eigenen Reihen zu feiern und mit dem siebten und letzten Schützenfest in Rietberg die Saison zu beschließen.
Der Tradition gemäß stieg am Montag die Spannung, wer neuer Schützenkönig der Bruderschaft wird. Nach Festgottesdienst in der Pfarrkirche und gemeinsamen Frühstück im Festzelt marschierten die Varenseller Grünröcke unter Musikbegleitung zur Vogelstange, um die Jagd zu eröffnen. Die beiden Schießmeister, Günter und Bruno Altehülshorst, verwandschaftlich Cousins, hatten die beiden Feuerwaffen zielorientiert justiert und sich kistenweise mit Munition vorbereitet. Ein munteres, zügiges Schießen begann bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen um 11.55 Uhr. Ein kräftiger Regenschauer unterbrach für etwa 20 Minuten den Wettkamp um die hölzerne Trophäe. Dann zerlegten zielsichere Benediktus-
schützen den Holzrumpf mit einem Dauerfeuer, bis um 13.21 Uhr Martin Dreisewerd mit dem 359. Schuss der Königstreffer gelang. Das Nachsehen hatte sein Mitbewerber Daniel Deppe, der bis zum letzten Schuss hart mitgekämpft hat. Der neue Regent verriet mit lauten Jubelschreien, am Ziel eines lang gehegten Wunsches zu sein. Zur Mitregentin erkor der selbständige Anlagenbauer für Abwassersysteme seine Ehefrau Anja. Das Paar hat zwei Söhne (Till und Fabian) und wohnt an der Hauptstraße.

Die Insignien fielen spät. Konrad „Sam“ Buschsieweke errang die Krone (24. Schuss). Sebastian Straub holte sich den Apfel (122.) und Jan Holznienkemper das Zepter (189.). Der rechte Flügel flatterte Josef Feld-
otte (157.) und der linke Egon Böwingloh (262.) entgegen. Bruno Altehülshorst holte sich das Bierfässchen mit der 290. Gewehrladung.
Schon der Auftakt der Festtage war gefüllt mit straffem Programm und klang mit einem gemütlichem Beisammensein im Zelt aus. Der Sonntag stand ganz im Zeichen des bis dahin noch amtierenden Königs Gregor I. und seiner Königin Karin I. Frenz mit ihrem freudestrahlenden Hofstaat, die bei der großen Parade noch einmal zu Ehren kamen. Die Auffahrt des Königspaares nebst Throngefolges in edelen Pferdekutschen auf dem Schützenplatz wurde laut beklatscht. Der stellvertretende Brudermeister Ralf Hesse begrüßte außerdem das noch amtierende Jungschützenkönigspaar Michael Altehülshorst und Victoria Kobusch und bedankte sich für ein engagiertes schönes Jahr bei den beiden Monarchen. Auf dem Gemeindefest wurde sodann der Schützennachwuchs der Bruderschaft ermittelt: Dabei gelang Mia Volz der entscheidende letzte Wurf und damit wurde sie zur Kinderkönigin von Varensell gekürt. An ihrer Seite steht David Dreisewerd.
Auch die Jubelpaare waren bei

Schützen maschieren  beim Fest ca. 10 km

den Feierlichkeiten dabei: Alois Wellerdiek war vor 50 Jahren Jungschützenkönig. Vor 25 Jahre regierte Dirk Strunz als Jungschützenkönig und vor 40 Jahren grüßten Werner Pepping und seine Frau Roswitha als Königspaar von Varensell. Als Silberkönigspaar traten Hubert und Anneliese Schulte-Döinghaus in die Reihen der Geehrten. Und eine wichtige Dame, die dennoch nie in der ersten Reihe stand, musste Ralf Hesse verabschieden: „Die Fahrerin unserer Königskutsche, Elisabeth Bentlage (Diekhaus) möchte sich heute nach 30 Jahren verabschieden“, so Hesse.
Danach traten die Jungschützen an die Gewehre: Aber Hallo, was war das denn? Als um 17.45 Uhr der Schießreigen eröffnet wurde, konnte keiner ahnen, was danach folgte. 770 Schuss knallten in dreieinhalb Stunden in den Kugelfang, bis der hölzerne Vogel erschöpft aufgab. Aber der Reihe nach. Begleitet von der humorvollen Moderation von Pascal Ketzer, wechselten sich die Jungschützen an den beiden Gewehren mit Sechs-Millimeter-Patronen munter ab. Als nach den 380 Schuss gegen 19.15 Uhr klar wurde, so wird das nichts, wurden Gewehr und Munition gewechselt. Mit Jan-Hendrik Hollenbeck, Dirk Vossebein und Manuel Vorderbrüggen drei Schützen, die König werden wolten.
Entweder war der Vogel zu hart oder die Treffsicherheit zu gering. Pascal Ketzer beruhigte das Publikum, das tapfer ausharrte, mit „lange dauert es nicht mehr, gleich fällt er“. „Wenn um 20.30 Uhr noch nichts passiert ist, gehe ich dahin“, sagte Pascal Ketzer zum Vertreter des Rietberger Stadtanzeigers, der exklusiv vor Ort war. Gesagt, getan und zu ihm gesellte sich dann noch Stefan Merschbrock, dann kämpften fünf Leute um den Rest auf der Vogelstange und um 20.50 Uhr mit dem erwähnten 770. Schuss stand Pascal Ketzer selbst staunend als König. fest. Der Jubel war groß, Freude und Erlösung gleichermaßen. Auf den Schultern seiner Kameraden wurde Pascal in Festzelt getragen und als neuer König gekürt. Mit Michelle Rausch wählte er seine attraktive Partnerin als Königin an seine Seite.