Deutschlands schnellste Reisetaube ist aus Rietberg

Einmaliger riesiger Erfolg im Leben eines Taubenzüchters – doch leider mit trauriger Realität

Blick in den Taubenschlag von Klaus-Dieter Kneuper, der oft, im positiven Sinne, seine zweite Wohnstube war. Fotos privat

Rietberg. Wovon viele Züchter in Deutschland träumen, wurde in Rietberg Wirklichkeit. Das schnellste As-Männchen der Reisesaison 2018 kommt aus dem Schlag des profilierten Züchters und Taubenliebhabers Klaus-Dieter Kneuper, Damaschkestraße 9. Doch dieser hat seinen großartigen Erfolg nicht mehr erleben können.
Er starb plötzlich und unerwartet am 22. Mai 2018, während einer Versammlung im Kreis seiner Taubenfreunde.
Der Schock saß tief und eigentlich wäre auch das Ende des Taubensports im Hause Kneuper gewesen. Doch schon die ersten Wettbewerbsflüge dieser Saison, die von Ende

Klaus-Dieter Kneuper 60 Jahre Taubenhobby

April bis Ende Juli läuft, zeigten bei der späteren Siegertaube erwartungsvolle Ergebnisse. Das war Ansporn, trotz der Trauer, für die Nachbarin Renate Stroop, Familie Kneuper den Vorschlag zu machen, ob sie nicht weiter die Tauben bis zum Ende der Saison betreuen und schicken sollte. Erfahrung war vorhanden, denn über 30 Jahre half sie immer mal in der Taubenzucht von Klaus-Dieter Kneuper und betreute die zahlreichen Tiere auch in den Ferien.
Kneupers stimmten zu und das Ergebnis ist bekannt. Mit viel Liebe und Sensibilität kümmerte sich Nachbarin Renate um die 12 reisenden Alttiere, die insgesamt sehr gute Platzierungen flogen, auf den zwölf Wettbewerben der Saison. Der „Star“ der kleinen Fluggemeinschaft holte seinen Sieg auf fünf Wertungsflügen, die zur Ermittlung festgelegt werden. 100 Punkte sind maximal pro Wertung zu vergeben. Mit 491,93 Punkten von 500 möglichen stand am Ende die Taube mit der Nummer 07086-15-537 von Klaus-Dieter Kneuper als Sieger fest. Ein großer gemeinsamer Erfolg. Excellente Tiere aus der Zucht von Klaus-Dieter Kneuper und das Gefühl von Renate Stroop für den möglichen Erfolg, haben dieses einmalige Saison-Happy-End realisiert.
„Ich habe mich immer für die Tauben interessiert. Sie kannten mich und waren sehr vertraut. Als fremde Person hätte ich das nie geschafft. Tauben

Nachbarin Renate betreute bis zum letzten Flug

sind hoch sensiebel, die Tiere hätten mich als Fremde abgelehnt“, erklärte Renate Stroop den Erfolg der letzten Monate.
Nach der Saison war dann Schluss. Die Tiere sind verkauft. Für den Sieger interessierte sich die internationale Fachwelt.
„Freude und Trauer liegen dicht nebeneinander“, sagt Christa Kneuper, die Ehefrau von Klaus-Dieter. „Freude über den Titel und über die Beharrlichkeit bis zum Ende der Saison von Renate Stroop. Große Traurigkeit und Schmerz im Bewusstsein, daß mein Mann das nicht mehr erleben durfte“, erinnert Christa Kneuper. Mein Mann hat ein Leben lang für den Taubensport gelebt.
Fast 60 Jahre war er erfolgreich mit seinem Hobby, welches zwar kein Beruf aber Berufung war. 80 – 90 Tiere gurrten eigentlich immer auf Kneupers Taubenschlag. Verschiedene Züchtungen, die intensive Betreuung und Nähe zu den Tieren, brachten Erfolg und auch mal weniger Erfolg.
Nach seinen Jahren als kaufmännischer Angestellter machte Klaus-Dieter Kneuper noch eine Ausbildung zum freien Tierheilpraktiker. Sieben bis acht Jahre hat er praktiziert.
Er schwor auf die Erfolge durch Naturheilkunde. Aber sein Leben waren die Tauben.
Im Verein „Heim zur Grafschaft“ war er anerkannter Züchter und beliebter Freund im Kreis seiner Kollegen. 30 Jahre wirkte er als Vorsitzender der Uhrenstelle. „Es ist bitter, daß er seinen großen Erfolg nicht mehr erleben durfte, aber wir alle, Familie, Nachbarn und Freunde verbinden die Gedanken an ihn auch mit seiner Liebe und Leidenschaft zu den Brieftauben, resümiert Christa Kneuper.