„Das ist doch alles ein bisschen verrückt in Rietberg“

Polizeihauptkommissar Birger Rosenau geht nach 19 Jahren Dienst in der Emsstadt in den Ruhestand


R i e t b e r g  (mad). 45 Jahre im Dienst der Polizei – 19 davon in der Emsstadt. Rietbergs Schutzmann Birger Rosenau hat die Dienstmütze nun an den Nagel gehängt und ist im Ruhestand. Nun blickt er zurück auf eine lange Zeit, in der er viel Schönes und Trauriges erlebt hat und in der sich vieles verändert hat, aber manche Dinge auch stets dieselben bleiben.

Die Polizeiarbeit wird er vermissen, das wird schon in den ersten Sätzen klar. Birger Rosenau hatte sich schon als Kind entschieden, Polizist zu werden. „Ich hatte schon immer etwas gegen Ungerechtigkeit. Für Straftaten habe ich kein Verständnis“, sagt der 62-Jährige. Als kleiner Junge hatte er oft fasziniert die Beamten beobachtet, die auf Kreuzungen den Straßenverkehr regelten. „In den 1960er Jahren gab es kaum Ampeln“, erinnert sich der Polizeihauptkommissar, der seit Jahresbeginn im Ruhestand ist. Nach seiner Polizeiausbildung, die er 1971 im Schleswig-Holsteinischen Eutin begann, und der ersten Dienstzeit in Lübeck, zog es ihn 1981 der Liebe wegen nach Rietberg. Seinen ersten Dienst absolvierte er am 11. November 1997 – passend zum Sessionsauftakt. „Das ist mir erst später aufgefallen“, sagt Birger Rosenau und muss ein bisschen lachen. Aus einer gänzlich jeckenfreien Gegend ausgerechnet ins närrische Rietberg gekommen zu sein, bereut der gebürtige Lübecker aber keinesfalls. „Anfangs hab ich zwar gedacht, dass das alles doch etwas verrückt ist“, sagt er. Und gleich bei seinem ersten Karneval in Rietberg musste Birger Rosenau mitten rein ins Getümmel und bekam prompt das Mikrofon von WDR-Reporterin Almuth Wessel unter die Nase gehalten. „Karneval ohne Konfetti– geht das überhaupt?“, fragte sie den etwas überrumpelten Schutzmann. „Aber klar, die Rietberger können auch so feiern“, lautete Rosenaus spontane Antwort, ohne die Bürger der Emsstadt überhaupt schon richtig zu kennen. Aber dann ließ er sich von deren Feierlaune anstecken. Mittlerweile besucht er den Karneval sogar privat. „Aber ohne Verkleidung.“ Eines allerdings werde er nun im Ruhestand vermissen: „Dass ich nicht mehr angemalt werde“, sagt er und lacht. So wie die vielen Karnevalsumzüge, die er begleitet hat, bleiben ihm viele Einsätze in Erinnerung. Ganz besonders gerne denkt er an seinen Einsatz  in Marienfeld zur Fußball-WM 2006. In Rietberg haben ihm besonders die Schulwegsicherung und die Fußstreifen Spaß gemacht.  Aber auch traurige Seiten des Polizeidienstes haben sich im Gedächtnis eingebrannt: Bei einem Verkehrsunfall war ein Mann ums Leben gekommen. Als Birger Rosenau mit einem Kollegen bei einer Familie klingelte, um den tödlichen Verkehrsunfall zu übermitteln, öffnete ein kleines Mädchen die Tür. „Das verschlägt einem dann die Sprache“, sagt Rosenau, der selber zwei Kinder hat. Im Gegensatz zu heute gab es für die Polizisten damals keine Seelsorger. „Wir haben uns mit den Kollegen ausgetauscht“, sagt Rosenau. Während sich in Sachen Ausbildung bei der Polizei viel getan hat – heute wird ein Bachelorstudium vorausgesetzt und es gibt härtere Konditionstests– und es seit den 1980er Jahren auch weibliche Polizisten gibt, sind andere Dinge stets gleich geblieben: „Um Ausreden bei Verkehrsdelikten sind die Leute nie verlegen.“ Seinen Ruhestand will sich Rietbergs „Dorfsheriff“ mit Reisen versüßen. „Jetzt geht es erstmal auf eine Wandertour nach La Palma. Und Dubai möchte ich auf jeden Fall erleben.“