Das Ende einer Amtszeit: Bald wird der Prinz gerupft

Bernd Austerschmidt genießt die letzten Tage seiner Regentschaft über die Delbrücker Jecken

D e l b r ü c k . Ein bisschen Wehmut sieht man Bernd Austerschmidt an. Seine Zeit als regierender Prinz Karneval neigt sich dem Ende entgegen. Im Gespräch mit dem Stadtanzeiger berichtet der 40-Jährige über seine Amtszeit.

Herr Austerschmidt, es existiert ein Foto von Ihnen aus Kindertagen im Bäckerkostüm. Da hatten Sie offenbar schon eine Vorsehung. War es mit der Prinzenwürde ähnlich?
„Nein, das Amt des Prinzen hatte ich gar nicht im Auge.“

Können Sie sich noch daran erinnern, als Ihnen die Frage aller Jeckenfragen gestellt wurde?
„Natürlich! Das war am Tag der Heiligen Drei Könige. Ich saß abends entspannt auf dem Sofa, als es an der Tür klingelte. Als ich die Herren aus der Viererkommission sah, wusste ich, woher der Wind weht.“

Haben Sie sofort Ja gesagt, oder haben Sie die Frage doch noch abgewartet?
(lacht) „Die Frage hab ich schon noch abgewartet, aber dann sofort zugesagt. Das ist eine große Ehre, über die ich mich sehr gefreut habe.“

Hatten Sie damit gerechnet?
„Absolut nicht. Die Wahl des Prinzen soll für alle immer eine Überraschung sein. Die ist in diesem Fall wirklich gelungen.“

Danach folgte eine schwere Zeit. Warum?
„Man muss noch ein paar Wochen abwarten bis zur Proklamation. So lange muss man Stillschweigen bewahren. Das war hart.“

Dann hieß es in der Folgezeit: Bäckerhut oder Narrenkappe. Wie haben Sie es gehalten?
„Die Entscheidung fiel mir nicht schwer. Es tut auch mal gut, den Beruf eine gewisse Zeit lang an den Nagel zu hängen.“

Die Regentschaft geht nun bald zu Ende. Was wird Ihnen in ganz besonderer Erinnerung bleiben?
„Ganz klar das Kranzreiten und der Ritt durch die Innenstadt, vorbei an so vielen strahlenden Jecken, die einem zuwinken.
Einfach großartig. Außerdem finde ich es bemerkenswert, wie toll der Zusammenhalt der Karnevalisten im Delbrücker Land ist. Ich habe viele neue Leute kennengelernt.“

Saßen Sie vorher schon einmal auf einem Pferd?
„Als Kind ja, aber auch nur wenige Male. Für den Ritt durch die Stadt durfte ich vorher mal üben. Das war eine tolle Erfahrung.“

Schon bald werden Sie von einem Nachfolger beerbt.
„Ja. Ich muss die Prinzenkette abgeben, meinen Hut und den Prinzenmantel darf ich nicht mehr tragen. Und mir werden die Federn vom Hut gerupft.“

Was geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?
„Ich wünsche ihm genauso viele schöne Stunden im Kreise der Narren, wie ich sie hatte. Und er soll die Zeit in vollen Zügen genießen. Schließlich wird man nur einmal im Leben Prinz Karneval.“