Beleben Ski- und Brennholz-Verleih die Rathausstraße?

Schlagfertig und keck: Der Karneval im Kükendorf

Westerwiehe (robui). Sie sind seit 55 Jahren kein bißchen leise, so wahrlich nicht. Und sie sind genau so lange auch schon genau so gut wie heute. Karneval der Kolpinger im Kükendorf hat sein eigenes Gesicht, seine eigenen Facetten und seinen eigenen, ganz besonderen Humor. Zwei ausverkaufte Sitzungen im Jubiläumsjahr belegten das kurz vor dem Rosenmontag wahrhaft eindrucksvoll.
Liegt es daran, dass Westerwiehe im positiven Sinne betrachtet noch „ein Dorf“ ist, dass fast jeder jeden kennt und ganz viele sich ehrenamtlich einbringen mögen? Die Gründe sind ungewiss, das Ergebnis aber erste Sahne. Tolle Tanzgruppen, Parodieformationen wie „Pitsch“, bissige Büttenredner wie Dirk Bunger und Ralf Gnüchwitz-Holtkamp, geniale Sketchpartner wie „Fabse“ und „Tüt“ –alle gemeinsam machen Fasching auf ihre Weise. Und ergänzen sich über die einzelnen Programmpunkte hinweg. Eben noch im witzigen Gespräch, schon tauchen Redner plötzlich bei den Beach Boys auf. Alles geht irgendwie Hand in Hand und generationenübergreifend. Lautstark und respekt-, ja schon liebevoll, zollen die jungen Besuchern den „alten Hasen“ Applaus, als diese, allesamt Mitbegründer oder mindestens dutzendfache Programm-Mitgestalter mit Orden gewürdigt werden. Jecken wie Christian Lefeld mit seinen über 60 Auftritten und der unvergessenen Pingo-Rückblende haben den Westerwieher Karneval geprägt. Wesentlich. Ein kleiner Querschnitt durch Nonsens, Klamauk und Juxerei wird zur Gaudi aller präsentiert, Highlights in der Historie des Kolping-Faschings. Einmal mehr im Kreuzfeuer aktueller närrischer Kritik: Die Kernstadt-Jecken und die Politik in derselben. „Das E-Center ist der einzige Grund, nach Rietberg zu fahren, das ist so quasi der Buxen-Rudi unter den Lebensmittelgeschäften“, kalauert Philipp Isenborth und sieht mit jecken Gesprächspartnern im City Outlet mit einem Ski-Verleih ebenso gewinnbringende Geschäftsmodule wie mit einem Brennholz-Verleih. Und er empfiehlt den Reiseführer mit dem Titel „Rietberg sehen – und reicht.“ Allen Akteuren gemeinsam ist die Meinung: „Wir sind stolz ein Teil dieser tollen Truppe zu sein“ – könnt Ihr auch!