Als Freizeitkapitän im eigenen Kahn durch die Flüsse

Mario Esch erfüllt sich seinen Lebenstraum vom eigenen Schiff – Bootsbau dauert rund fünf Jahre

M a s t h o l t e (robui). „Lebe deinen Traum…“ ist ein Vorsatz, den sich wohl jeder schon gestellt hat. Indes, die Umsetzung so manchen Vorhabens bleibt ein Leben lang eine Wunschvorstellung und hinterlässt irgendwann die bittere Erkenntnis es nicht wenigstens versucht zu haben. Anders Mario Esch. Der Mastholter tut, was er seit 40 Jahren vor hat: Er baut sich ein Boot für die Binnenschifffahrt und möchte dereinst damit über große Flüsse durch die Lande ziehen.
Der Surf- und Segel-Club am Ufer des Mastholter Sees ist sein zweites Zuhause geworden. Jede freie Minute werkelt der gebürtige Saarländer an einem Kahn, mit dem er dereinst zumindest Westeuropa im ruhigen Gleichmaß der Fließgewässer näher kennen lernen möchte. Schon einmal, mit 17, hatte Mario sich ein kleines Boot gefertigt, schipperte damit über die Saar.

Verblüffend viele Details sind eigens ausgetüftelt

Doch dann kamen Lehre, Beruf, die Idee war ad acta gelegt – bis er 2014 nach Mastholte zog und den Mastholter See sah. „Da keimte der Wunsch wieder richtig in mir auf“, so der Zivilangestellte bei der Bundeswehr, der in Augustdorf arbeitet. Seine Anfrage an den ortsansässigen SSC zur Aufnahme als Mitglied wurde schnell, auch mit Blick auf sein ehrgeiziges Vorhaben, positiv beschieden – es konnte losgehen. Ein „Boot von der Stange“ sollte es auf keinen Fall sein. So begann er im Internet zu recherchieren und wurde in einem Auktionshaus fündig. Der Grundstein für das Esch-Boot: Ein Rumpf-Rohling von einem Segelkajütboot, für 400 Euro „geschossen“. Das ausgeschlachtete Exemplar wurde 2015 auf der Wiese am See aufgebockt, die Arbeit konnte beginnen. Eine Arbeit für einen Zeitraum, bei dem andere allein beim puren Gedanken schon, um im Bild zu bleiben, die Segel streichen würden. Mario Esch indes scheute sich nicht davor, drei, vier oder auch fünf Jahre einzukalkulieren. Tüftelstunden sind es, die seither die Freizeit ausfüllen. Denn jegliches Zubehör im maritimen Fachhandel-Bedarf zu kaufen, das sprengt den Kostenrahmen. Also entwickelt der 57-jährige immer neue Details, der künftige Sitz vor dem Steuerrad beispielsweise entsteht aus einem Küchenstuhl, dessen Beine durch klappbare Balkenauflagen ersetzt sind.

Ein Testlauf zur Dichtheit schon in diesem Herbst?

Der kleine Rammschutz vor dem Bug, die Nase am Rumpf, ist ebenfalls eine ergänzende Eigenkonstruktion, besteht tief hinter verleimten Schichten aus einer Schaumkelle, die Bugrehling ist Teil eines Gartenstuhls und die Bullaugen sind aus Keksdosen geschnitten. Esch erhöhte die Bordwand um 30 Zentimeter, sorgte bereits für einen massiven, aber gewichtsparenden Aufbau, werkelt in der zwei-Personen-Kajüte. Für den inliegenden Außenbordmotor mit 15 PS, der ist ebenfalls schon im Fundus vorhanden, hat er einen rund ein Meter langen Anbau geformt. Was für den Laien klingt wie ein richtig großer Haufen Arbeit, das sieht der Bastler so: „Ich freue mich jeden Tag darauf, an dem Schiff weiterzumachen.“ Die spannendste Frage derzeit: Hält alles dicht, ist das Boot ausbalanciert? Das will er möglichst noch im Herbst auf dem Mastholter See testen. Und funktioniert alles, geht es an den weiteren Ausbau, den Einbau der Maschine und die Details. Wenigstens zwei Jahre soll das alles in der Folge noch dauern, aber dann könnte Teil eins des Lebenstraums fertig sein – das Boot, das einen Namen aus der Mythologie erhalten soll. Und dann geht es auf große kleine Fahrt, die Weser entlang, über die Müritz-Seen, die Donau, den Rhein. Die Spreekanäle, Holland, Frankreich mit der Loire, das alles sind Gewässer, auf denen Mario Esch dann seinen Traum leben wird.